Die Fragen und Probleme der Islamic Financial Services Industry (IFSI) sind nur in Verbindung mit den Fragen des politischen Islam zu verstehen. Das Online Journal "Islamic Finance" ist dementsprechend aus den Forschungsprojekten des Online Journals zum Islamismus hervorgegangen.


Montag, 2. Juli 2007

Grundstruktur des Islamic Banking

Der Begriff Islamic Banking bezeichnet die Konformität ökonomischer Handlungen und Finanztechniken mit den in Koran und Sunna dargelegten Bestimmungen des islamischen Rechts. Kernelemente sind das allgemeine Zinsverbot (Riba), das Verbot der vertraglichen Unsicherheit und Spekulation (Gharar) und des Glücksspiels (Maysir, Quimar). Bei Investitionen sind soziale und ethische Ausschlusskriterien (Haram) zu beachten: Alkoholherstellung und -vertrieb, Prostitution und Pornografie sowie die Verarbeitung und der Handel mit Schweinefleisch.

Die Popularität des Islamic Banking setzte mit dem Ende der säkularen panarabischen und der beginnenden Ausbreitung panislamischer Bewegungen in den 70er Jahren ein. Meilensteine waren die Gründung der Islamic Development Bank (1974) und der Dubai Islamic Bank (1975). Nur in drei Ländern, Pakistan [1979], Iran [1983] und Sudan [1983] unterliegt die Finanzwirtschaft vollständig den Prinzipien des Islamic Banking. Die Mehrzahl islamischer Banken operiert in dualen Finanzsystemen, in der konventionelle und islamische Banken der Zentralbankaufsicht (ZB) unterliegen. Bank- und Unternehmensgesetzgebungen in dualen Systemen ähneln westlichen Gesetzen, ohne den besonderen Anforderungen des Islamic Banking. zu entsprechen. Die Konformität von Islamic Banking. wird hier typischerweise durch Selbstverpflichtung seitens der Shariah - Boards der Banken, nicht der ZB, überwacht.

Global ist Islamic Banking mit jährlich ca. 15% ein Wachstumssektor, der mit einer Größe von ca. 270 Mrd. US$ peripher ist, zunehmend aber für westliche Banken an Attraktivität gewinnt. Dabei ist ein Trend hin zu neuen, ausgeklügelten Finanzprodukten und zinsfreien (multinationalen) Kapital- und Geldmärkten zu beobachten. Regional sind ca. 42% der islamischen Finanzinstitutionen auf Süd- und Südostasien verteilt, gefolgt von den Mitgliedsstaaten des Gulf Cooperation Council (GCC) mit ca. 22% und anderen Staaten der MINO-Region (Mittelmeerraum und Naher Osten) mit ca. 15%. Unterteilt nach dem Finanzvermögen ergibt sich ein differenzierteres Bild: ca. 84% des Vermögens islamischer Finanzinstitutionen sind in den GCC Staaten (65%) und in der MINO-Region (19%) konzentriert.

Quelle: Hintergrundpapier der GTZ, September 2006.