Die Fragen und Probleme der Islamic Financial Services Industry (IFSI) sind nur in Verbindung mit den Fragen des politischen Islam zu verstehen. Das Online Journal "Islamic Finance" ist dementsprechend aus den Forschungsprojekten des Online Journals zum Islamismus hervorgegangen.




Montag, 2. Juli 2007

Islamic Finance - eine Einführung

Das Wesen und die Rolle von Finanzsystemen im Islam erklärt sich aus dem Einflusss der Scharia als rechtliche und moralische Handlungsrichtlinie und dem in ihr enthaltenen sozial-ethischen Gedankengut, das in eine islamische Wirtschaftsethik einfließt. Die Scharia zielt auf soziale und ökonomische (Verteilungs-)Gerechtigkeit und Solidarität ab. Geld wird nicht als selbst arbeitende Gewinnanlage betrachtet, sondern als ein Mittel zur Schaffung von Wohlstand für die Gesamtheit der muslimischen Gemeinschaft. In einer islamischen Wirtschaft werden Handel und Unternehmertum gefördert. Dies sollte jedoch nicht auf einige wenige Akteure beschränkt sein, sondern zum Wohl aller dienen. Gewinne aus Handel und Investitionen sind erlaubt. Jedoch sollen Investitionen nicht spekulativ, sondern produktiv sein. Sie dürfen in Form von Risikobeteiligungen an Unternehmen, deren Produkte der islamischen Moral nicht widersprechen, getätigt werden. So sollen wirtschaftliche Kooperationen und soziale Gleichheit begünstigt werden. Sieht ein Muslim sich nicht in der Lage, seine finanziellen Ressourcen selbst konstruktiv auszugeben, so hat er die Pflicht, sie anderen in Form einer Beteilungsfinanzierung zur Verfügung zu stellen. So soll eine gesamtgesellschaftlich effiziente Allokation von Kapital nach Kriterien von Produktivität und Rendite erfolgen.

Seit den 70er Jahren ist ein starker Anstieg des islamischen Bankwesens zu verzeichnen, der hauptsächlich aus den Zahlungsbilanzüberschüssen der Öl exportierenden Länder gespeist wird. Das „Scharia-Bankwesen“ umfasst mittlerweile Summen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Trotz des Wachstums des formalen islamischen Banksektors hat die Mehrheit der Armen im Mittleren Osten und in islamisch geprägten Regionen Afrikas und Asiens nach wie vor keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Trotz vielerorts reicher Ressourcen bleibt hier das Angebot an Mikrofinanz-Dienstleistungen hinter dem vergleichbarer Entwicklungsregionen zurück. Die Gründe hierfür sind im Wesentlichen der Mangel an angepassten islamischen Finanztechnologien sowie die mangelnde Nachhaltigkeit derzeitiger Anbieter.

1 Kommentare:

Max hat gesagt…

Bin vor kurzem auch erst auf das Thema gestoßen und habe ein interessantes Buch dazu gelesen. Es ist wirklich eine sehr differnzierte Herangehensweise an das Thema und ganz anders geprägt. Mal schauen, wie sich das ganze noch entwickeln wird in den nächsten Jahren.