Die Fragen und Probleme der Islamic Financial Services Industry (IFSI) sind nur in Verbindung mit den Fragen des politischen Islam zu verstehen. Das Online Journal "Islamic Finance" ist dementsprechend aus den Forschungsprojekten des Online Journals zum Islamismus hervorgegangen.


Dienstag, 20. November 2007

Entwicklung des Islamic Banking in Malaysia I

Im Jahre 1983 startete mit der Gründung der Bank Islam Malaysia Berhad (BIMB) die Entwicklung des islamischen Bankenwesens in Malaysia. Zur gleichen Zeit wurde durch die Regierung das erste zinslose Wertpapier basierend auf den Sharia-Prinzipien, das Government Investment Issue (GII), am Markt emittiert. Ab 1993 eröffnete die Regierung, zur Unterstützung der Schaffung eines „dualen Bankensystems“ (Siehe Nienhaus (2004), S. 1) den konventionellen Banken die Möglichkeit islamischen Finanzierungstechniken anzubieten - mit dem Konzept des „Islamic Window“ (Siehe Norafifah Ahmad & Sudin Haron (2002), S. 1).

Hierzu wurden die konventionellen Banken aufgefordert, neben der bestehenden Sparte für konventionelle Finanzierungsinstrumente Abteilungen zu etablieren, die ausschließlich islamische Finanzierungsprodukte anbieten. Hierdurch gelang es den konventionellen Banken sich im Markt für islamische Produkte zu etablieren und den Islamic Banking Sektor (IBS) auszubauen.

Es entstand ein Bankensektor, auf dem der konventionelle Finanzmarkt in Malaysia (Dieser besteht aus Commercial Banks (Geschäftsbanken (GB)), Finance Companies (Finanzinstitutionen (FI)), Merchants Banks (Handelsbanken (HB)) und Discount Houses (Wechselbanken (WB)). neben dem Finanzmarkt für islamische Finanzprodukte (IBS) existiert. Der IBS besteht aus den konventionellen Bankenformen mit ihren islamischen Produkten und den Islamische Banken (Islamic Banks), die ausschließlich islamische Finanzprodukte auf dem IBS anbieten. Hinzukommend bieten in Malaysia auch Staatsbanken islamische Finanzdienste an.

Das Bestreben der ZB von Malaysia (Bank Negara Malaysia (BNM)) - welche neben den bekannten Aufgaben einer ZB zusätzlich als Bankier, Wirtschafts- und Finanzberater der Regierung fungiert - ist es die beiden gesonderten Finanzsektoren auf lange Sicht nebeneinander existieren zu lassen. Durch die schrittweise Etablierung eines „dualen Bankensystems“ gelang es in Malaysia mit geringen Kosten und mit relativ wenig administrativem Aufwand möglichst viele Beteiligte in die Märkte zu integrieren. Hinzu kommt, dass mit diesem Konzept auch Nicht-Muslime in die Transaktionen der Finanzmärkte mit einbezogen werden können. In Malaysia macht dieser Bevölkerungsanteil rund 42% aus (Siehe Heine und Spielhaus (2004), S. 142).

Quelle: Bornemann, Janine (HfB Business School of Finance and Management ( Johannes Gutenberg-Universität Mainz), in: Wirtschaftspolitisches Seminar: "Finanzmärkte im Umbruch", Mainz 2006).